Ratgeber · Für Eigentümer und Verwalter geneigter Dächer
Ortgang erneuern: Schäden, Ausführungen und Kostenfaktoren am Giebelrand des Steildachs
Einen Ortgang erneuern lässt man, wenn die Randreihe am Giebel nicht mehr hält: lose Ortgangziegel, bröckelnder Mörtel, rostendes Blech oder ein faulendes Ortgangbrett. Den Umfang und die Kosten bestimmen dabei die Befestigung jedes Randziegels und der Zustand der Lattung darunter – stärker als die Oberfläche, die man von der Straße aus sieht.
Zuletzt geprüft: 4. Oktober 2026 · Verfasst und aus der Praxis geprüft von Thorge Harms, Geschäftsführer Dachwartung Profi
Der Ortgang am Steildach: seitlicher Abschluss der Dachfläche am Giebel
Der Ortgang ist der seitliche, geneigte Rand eines Steildachs am Giebel und verläuft vom First bis zur Traufe. Er schließt die Deckung zur Giebelwand hin ab und hält Wind und Schlagregen davon ab, unter die Ziegel und an die Holzkonstruktion zu gelangen. Ein Satteldach hat an jedem Giebel zwei Ortgänge, je einen pro Dachfläche; ein Walmdach hat keinen.
| Rand | Lage | Verlauf | Aufgabe |
|---|---|---|---|
| Ortgang | seitlich am Giebel, vom First zur Traufe | geneigt, mit der Dachneigung | schließt die Deckung zur Giebelwand ab, hält Wind und Schlagregen vom Lattungsende fern |
| Traufe | unten, an der Längsseite | waagerecht | übergibt das Wasser der Fläche an die Dachrinne |
| First | oben, wo zwei Dachflächen zusammentreffen | waagerecht | deckt die Stoßlinie der beiden Flächen ab |
Am Ortgang endet die Fläche nicht nur optisch. Ein Ziegel in der Fläche wird von seinen Nachbarn über die Verfalzung gehalten, der Randziegel nur von einer Seite. Was ihn darüber hinaus festhält, muss eigens hergestellt werden – durch Schrauben, ein Blech, ein Brett oder an älteren Häusern durch Mörtel. Deshalb altert der Ortgang anders als die Fläche daneben, und deshalb wird er auch getrennt von ihr erneuert.
Für Eigentümer ist der Ortgang zugleich das Bauteil, das man von der Straße aus am besten sieht und am schlechtesten beurteilt. Ob ein Randziegel lose ist, ob die Lattung darunter trägt und ob ein Brett von hinten fault, zeigt der Blick von unten nicht. Wie die übrigen Bauteile des geneigten Dachs altern – Deckung, Unterdeckung, First und Grat, Rinne –, beschreibt Steildach warten: welche Bauteile altern und woran man sie erkennt.
Eine Anfrage kann ein oder mehrere Objekte umfassen.
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Ortgang-Ausführungen: Ortgangziegel, Ortgangblech, Ortgangbrett und vermörtelter Ortgang
Ein Ortgang wird mit Ortgangziegeln, mit einer Verblechung, mit einem Ortgang- oder Windbrett oder, an älteren Häusern vermörtelt ausgeführt. Die Bauart entscheidet, wie der Rand befestigt ist, woran er altert und was eine Erneuerung umfasst. Sie ist deshalb die erste Angabe einer Bestandsaufnahme am Giebel.
| Bauart | Aufbau | Typische Alterung |
|---|---|---|
| Ortgangziegel | Formziegel mit seitlich heruntergezogenem Lappen, der die Stirnseite abdeckt; eigene Formen für die linke und die rechte Dachseite. Jeder Ziegel wird einzeln an der Lattung befestigt. | Gelöste oder fehlende Schrauben, gebrochene Lappen, Frostschäden am einzelnen Ziegel. |
| Ortgangblech (Verblechung) | Gekantetes Blech, das Lattungsenden und Giebelkante abdeckt – aus Zink, Kupfer, Aluminium oder beschichtetem Stahl. | Rost, verbogene Kanten nach Sturm, gelöste Befestigung, offene Stöße. |
| Ortgangbrett oder Windbrett | Holzbrett an den Enden der Lattung, meist gestrichen, teils zusätzlich verkleidet. | Abblätternder Anstrich, Fäulnis an Rückseite und Stößen, Befestigung verliert Halt. |
| Vermörtelter Ortgang | Randziegel liegen im Mörtelbett auf der Giebelmauer; an älteren Häusern verbreitet. | Mörtel reißt, wäscht aus und bröckelt; die Randziegel verlieren ihr Auflager. |
Für die Ziegel selbst gelten lange Planwerte: Die BBSR-Nutzungsdauertabelle führt Ziegeldeckungen bei mindestens fünfzig Jahren ohne Austausch, und Ortgangziegel sind Formziegel derselben Deckung. Wo der Ortgang mit einem gestrichenen Brett abschließt, ist der Anstrich dagegen eine kurzlebige Schicht des Rands und muss in Abständen erneuert werden.
Ein Ortgangblech ist keine Voraussetzung jedes Ortgangs. Wo Ortgangziegel die Stirnseite abdecken, übernehmen sie den seitlichen Abschluss selbst. Das Blech ist die Alternative, wenn kein passender Formziegel verwendet wird oder ein Brett vor Witterung geschützt werden soll. Metallarbeiten am Dach fasst das Handwerk in der Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk; die Deckung mit Ziegeln und Dachsteinen in einer eigenen Fachregel.
Schäden am Ortgang: lose Ortgangziegel, rostendes Blech und Fäulnis am Ortgangbrett
Schäden am Ortgang zeigen sich als lose oder fehlende Randziegel, gebrochene Lappen, ausgewaschener Mörtel, rostende oder verbogene Bleche und ein Ortgangbrett, dessen Anstrich abblättert oder dessen Holz weich wird. Gemeinsam ist ihnen die Folge: Der Rand hält die Deckung nicht mehr, und Wasser erreicht Lattung und Sparrenenden.
| Befund | Wahrscheinliche Ursache | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Randziegel klappert, liegt schief oder fehlt | Befestigung gelöst oder nie hergestellt, Mörtelbett aufgelöst | Wind greift unter die Reihe; der Ziegel kann sich lösen und herabfallen. |
| Lappen des Ortgangziegels gebrochen | Frost, Schlag, Begehen bei früheren Arbeiten | Stirnseite und Lattungsende liegen offen. |
| Mörtel am Giebel rissig oder bröckelnd | Witterung, Bewegungen zwischen Dachstuhl und Giebelmauer | Randziegel verlieren ihr Auflager und ihren Halt. |
| Ortgangblech rostet, ist verbogen, Stöße offen | Korrosion, Sturm, gelöste Befestigung | Wasser läuft hinter das Blech auf Brett und Lattung. |
| Anstrich des Ortgangbretts blättert, Holz wird weich | Überalterter Anstrich, Feuchte von hinten | Das Brett verliert Halt – und mit ihm die Befestigung der Randreihe. |
| Feuchte Sparrenenden im Dachraum unter dem Giebelrand | Wasser tritt am Ortgang ein | Lattung und Sparrenköpfe durchfeuchten unbemerkt. |
Ein loser Randziegel ist mehr als ein Schönheitsfehler. Löst er sich, fällt er an der Giebelseite herab, und für die Ablösung von Teilen eines Gebäudes haftet der Besitzer des Grundstücks, wenn sie die Folge mangelhafter Unterhaltung ist (§ 836 Abs. 1 Satz 1 BGB). Was das für den Nachweis der eigenen Sorgfalt bedeutet, steht in Wartungspflicht Dach: Verkehrssicherungspflicht, Rechtsprechung und Haftung.
Vom Boden aus lässt sich nur ein Teil dieser Befunde erkennen. Fehlende Ziegel, abblätternde Farbe und verbogene Bleche sieht man von unten; ob die Befestigung der Randreihe noch greift und ob das Brett von hinten fault, zeigt sich erst aus der Nähe. Eine Befliegung bringt den Giebelrand ins Bild, ersetzt das Prüfen der Befestigung aber nicht – die Grenzen beschreibt Dachinspektion mit Drohne: was die Befliegung zeigt und was sie nicht ersetzt.
Windsog am Ortgang: warum jeder Randziegel einzeln befestigt wird
Ortgangziegel werden nach den Verlegeanleitungen der Hersteller einzeln an der Lattung befestigt, etwa mit einer Schraube je Ziegel. Der Grund ist die Lage: Am Giebel endet die Fläche, der Wind kann unter den Rand greifen, und dem Randziegel fehlt der seitliche Nachbar, der ihn hält. Die Hersteller berufen sich dabei auf das Regelwerk des Dachdeckerhandwerks.
In den Verlegeschemata zur Windsogsicherung ist der Ortgang ein eigener Dachbereich, für den eine dichtere Sicherung vorgesehen ist als für die Fläche dazwischen. Wie dicht, hängt von Windzone, Gebäudehöhe, Dachneigung, Deckunterlage und Ziegelmodell ab; das Verfahren führt die Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen. In welcher Zone ein Gebäude liegt, zeigt Schneelastzone und Windlastzone je Gemeinde nachschlagen.
Für den Bestand folgt daraus eine einfache Prüffrage: Ist jeder Randziegel befestigt, oder liegt die Randreihe nur auf – im Mörtelbett oder lose auf der Lattung? Ein vermörtelter Ortgang ohne mechanische Befestigung entspricht nicht dem, was die Verlegeanleitungen verlangen. Bei seiner Erneuerung gehört die Befestigung deshalb in den Auftrag; neuer Mörtel allein stellt sie nicht her.
Nach einem Sturm zählt der Ortgang deshalb zu den Stellen, die früh angesehen werden sollten – vom Boden aus, nicht vom Dach. Was in den ersten Stunden zu tun ist, ordnet Sturmschaden am Dach: was jetzt zu tun ist.
Ortgang erneuern oder reparieren: woran sich der Umfang entscheidet
Ob ein Ortgang repariert oder erneuert wird, entscheiden die Befestigung und die Unterkonstruktion, nicht die Optik. Ein einzelner gebrochener Ortgangziegel auf intakter Lattung wird getauscht. Fehlt die Befestigung reihenweise, ist der Mörtel aufgelöst oder sind Lattungsenden und Brett morsch, wird der Rand neu aufgebaut.
Dazwischen liegen Teilerneuerungen: ein neues Blech über einem gesunden Brett, ein neuer Anstrich auf festem Holz, das Nachsetzen fehlender Schrauben in einer sonst intakten Reihe. Sie tragen, solange das, worauf sie sitzen, trägt. Ein Blech über einem Brett, das von hinten fault, verdeckt den Schaden, statt ihn zu beheben – und erschwert den nächsten Befund.
Eine Erneuerung ist zugleich die Gelegenheit, die Bauart zu wechseln. Aus einem vermörtelten Ortgang wird einer mit einzeln befestigten Ortgangziegeln, aus einem Brett, dessen Anstrich in kurzen Abständen fällig wird, eine Verblechung. Ob es zum vorhandenen Ziegelmodell passende Ortgangziegel gibt, entscheidet mit darüber, welche Bauart in Frage kommt; dazu der gewünschte Überstand und das Erscheinungsbild des Giebels.
Ortgang erneuern beim Fachbetrieb: Ablauf und Positionen im Angebot
Eine Ortgang-Erneuerung beginnt mit dem Rückbau der Randreihe und endet mit einer befestigten, angeschlossenen und dokumentierten Kante. Dazwischen liegen das Prüfen von Lattung und Sparrenenden, der Ersatz morscher Teile, die neue Befestigung und der Anschluss an First und Traufe. Ein Angebot weist diese Schritte am besten einzeln aus.
- Die Bauart heute und künftig, mit Werkstoff: Ortgangziegel, Ortgangblech oder Ortgangbrett.
- Die Länge je Ortgang und die Zahl der Ortgänge am Objekt, einschließlich der Gauben.
- Rückbau und Entsorgung des Altmaterials als eigene Position.
- Prüfung und Ersatz von Lattungsenden, Brett und Sparrenköpfen als gesonderte Position mit Einheitspreis.
- Die Befestigung jedes Randziegels nach der Verlegeanleitung des Ziegelherstellers.
- Der Anschluss am Firstende und am Traufpunkt mit Rinne und Stirnbrett.
- Gerüst oder Hubarbeitsbühne mit Standzeit als eigene Position.
- Fotos vor und nach der Arbeit, je Giebel und mit Datum.
Für Ortgangziegel richtet sich die Befestigung nach der Verlegeanleitung des Herstellers, für Verblechungen nach der Fachregel für Metallarbeiten. Wer beides im Angebot festhält, hat bei der Abnahme einen Maßstab, an dem sich die Ausführung messen lässt. Wie Abnahme, Mängelrüge und Einbehalt nach einer Sanierung ablaufen, steht in Mängel nach der Dachsanierung: Abnahme, Rüge, Zurückbehaltung, Beweissicherung.
Am oberen Ende trifft der Ortgang auf den First. Dort schließt der letzte Firstziegel über dem obersten Randziegel ab, und auch Firstziegel werden nach den Verlegeanleitungen einzeln an der Unterkonstruktion befestigt. Wer den Ortgang neu aufbaut, nimmt diesen Knotenpunkt deshalb in den Auftrag auf. Am unteren Ende gilt dasselbe für den Traufpunkt mit Rinne und Stirnbrett.
Ortgang erneuern: Kosten und die Faktoren, die sie bestimmen
Die Kosten einer Ortgang-Erneuerung hängen vor allem von der Länge der Ortgänge, der gewählten Bauart und dem Zugang zur Kante ab. Dazu kommen der Zustand der Unterkonstruktion, der erst nach dem Rückbau sicher feststeht, der Anschluss an First und Traufe sowie die Entsorgung des Altmaterials.
| Kostenfaktor | Warum er wirkt | Was im Angebot stehen sollte |
|---|---|---|
| Länge und Zahl der Ortgänge | An jedem Giebel zwei Ortgänge, jede Gaube mit eigenem Giebel weitere. | Meter je Ortgang, getrennt ausgewiesen |
| Bauart und Werkstoff | Formziegel, Verblechung und Brett unterscheiden sich in Material und Arbeitsgang. | Bauart und Werkstoff benannt |
| Zugang und Absturzsicherung | Gearbeitet wird an der Absturzkante, am mehrgeschossigen Giebel in der Höhe. | Gerüst oder Hubarbeitsbühne mit Standzeit |
| Unterkonstruktion | Lattungsenden, Brett und Sparrenköpfe zeigen ihren Zustand erst nach dem Rückbau. | Gesonderte Position mit Einheitspreis |
| Anschluss an First und Traufe | Am Firstende und am Traufpunkt muss der neue Rand an Bestehendes anschließen. | Anschlüsse als Leistung beschrieben |
| Fassadendämmung | Eine dickere Giebelwand verkürzt den Überstand; der Ortgang wird verlängert. | Verlängerung als eigene Position |
| Rückbau und Entsorgung | Mörtel, gestrichenes Altholz und Altblech fallen getrennt an. | Eigene Position |
| Bündelung | Mehrere Giebel oder Objekte teilen Anfahrt, Einrichtung und Einrüstung. | Positionen je Objekt, gemeinsamer Termin |
Der Zugang ist am Giebel ein eigener Posten. Gearbeitet wird an der Absturzkante, und auf Baustellen verlangt die ASR A2.1 an Arbeitsplätzen mit mehr als 2,00 Metern Absturzhöhe eine Absturzsicherung (Punkt 8.2 Abs. 7 Nr. 3). Absturzsicherungen und Auffangeinrichtungen haben dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung (Punkt 4.2). Am Giebel eines mehrgeschossigen Hauses stehen deshalb Gerüst oder Hubarbeitsbühne als eigene Position im Angebot.
Der unsicherste Posten ist die Unterkonstruktion. Ob Lattungsenden, Brett und Sparrenköpfe tragen, zeigt sich vollständig erst, wenn die Randreihe abgenommen ist. Ein belastbares Angebot weist diesen Teil als gesonderte Position mit Einheitspreis aus, statt ihn in einer Pauschale zu verbergen oder auszulassen.
Eine Fassadendämmung verändert den Ortgang mit. Die Giebelwand wird dicker, der seitliche Überstand des Dachs entsprechend kürzer; reicht er nicht mehr, wird der Ortgang verlängert, und größere Überstände verlangen nach Herstellerangaben zusätzliche konstruktive Maßnahmen. Wer die Fassade dämmen will, plant den Ortgang im selben Zug – sonst wird dieselbe Kante zweimal eingerüstet.
Wer mehrere Ortgänge oder mehrere Objekte zugleich erneuern lässt, verteilt die festen Posten – Anfahrt, Einrichtung, Einrüstung – auf mehr Arbeit. Vergleichbar werden Angebote erst, wenn sie dieselben Positionen getrennt ausweisen; eine Pauschale für „Ortgang neu“ lässt offen, was darin enthalten ist und was nachberechnet wird.
Ortgang vor dem Auftrag: Versicherung, Haftung und Brutzeit klären
Vor einer Ortgang-Erneuerung klären Eigentümer Fragen außerhalb des Handwerks: Versicherung, Haftung bis zum Termin und Artenschutz. Liegt ein Versicherungsfall vor, wie wird ein loser Rand bis zur Erneuerung gesichert, und brüten oder ruhen dort Tiere? Diese Fragen entscheiden mit über den Zeitpunkt der Arbeit und darüber, was vor dem Rückbau festzuhalten ist.
Liegt ein loser Randziegel über einem Weg oder einer Zufahrt, wird der Bereich darunter bis zur Sicherung abgesperrt und der Zustand mit Datum fotografiert. Eine provisorische Sicherung durch den Fachbetrieb ersetzt die Erneuerung nicht, schließt aber die Lücke bis zum Termin.
Nach einem Sturm kann der Schaden am Ortgang ein Fall für die Wohngebäudeversicherung sein; nach den Musterbedingungen des GDV ist Sturm eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke 8 (A 5.1.1 VGB 2022). Fotos und Unterlagen gehören deshalb vor den Rückbau, nicht danach. Wann ein Versicherer einen Dachschaden als Verschleiß einordnet und was dagegen hilft, steht in Sturmschaden am Dach: wenn die Versicherung nicht zahlt.
Unabhängig vom Sturm verlangen dieselben Musterbedingungen, versicherte Sachen – ausdrücklich auch Dächer – in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten und Mängel unverzüglich zu beseitigen (A 20.1.1 VGB 2022). Ein bekannter loser Ortgang ist damit auch eine Versicherungsfrage; die Folgen beschreibt Dachwartung und Gebäudeversicherung: Obliegenheit, Kürzung, Nachweis.
Wo hinter einem offenen Ortgang Vögel oder Fledermäuse brüten oder ruhen, kann der Spalt eine geschützte Stätte sein: Fortpflanzungs- und Ruhestätten besonders geschützter Arten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden (§ 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG). Wie sich ein Termin am Dach damit verträgt, steht in Dacharbeiten in der Brutzeit: was das Artenschutzrecht am Dach zulässt.
Ortgänge im Bestand mit mehreren Objekten: Befund, Reihenfolge und Nachweis
Bei mehreren Objekten wird der Ortgang zur Planungsfrage: Welche Giebel sind befundet, welche lose, welche liegen über Wegen, Zufahrten oder Stellplätzen? Ein datierter Befund je Giebel mit Foto und Bauart erlaubt, die Erneuerungen nach Dringlichkeit zu ordnen und Einrüstungen zu bündeln, statt auf den nächsten Sturm zu warten.
Die Reihenfolge ergibt sich dabei nicht aus dem Alter des Dachs allein. Ein Ortgang mit gelösten Randziegeln über einem Gehweg hat Vorrang vor einem älteren, aber fest sitzenden über einer Gartenfläche. Und weil sich sein Zustand von unten nur teilweise beurteilen lässt, gehört der Ortgang in die Wartungsbegehung eines Steildachs – mit Datum, Foto und dem Vermerk, ob die Befestigung geprüft wurde.
Genau diese Klammer übernehmen wir: Befund, Priorisierung, Angebotseinholung und Abnahme über alle Objekte, ausgeführt von persönlich ausgewählten Meisterbetrieben, bundesweit, mit einem Protokollformat für jeden Giebel. Was die laufende Wartung als Leistung umfasst, steht unter Dachwartung; für verteilte Bestände unter Dachwartung für Hausverwaltungen.
Fazit zum Ortgang: die Prüffragen vor der Erneuerung
Ob ein Ortgang erneuert werden muss und in welchem Umfang, klärt sich an wenigen Fragen: Welche Bauart hat der Rand heute? Ist jeder Randziegel befestigt, und trägt die Unterkonstruktion darunter? Und ist der Zustand mit Datum und Foto festgehalten? Wer sie beantworten kann, vergleicht Angebote auf derselben Grundlage und wählt den Zeitpunkt selbst.
Am Ortgang entscheidet die Befestigung, nicht die Oberfläche. Den Dach-Check fordern Sie kostenlos und unverbindlich an – schildern Sie Bauart und Zustand der Ortgänge Ihrer Objekte.
Kostenlosen Dach-Check anfordernHäufige Fragen zum Erneuern des Ortgangs
Der Ortgang schließt die Deckung eines Steildachs zur Giebelwand hin ab – mit Ortgangziegeln, Blech, Brett oder an älteren Häusern vermörtelt. Ob er repariert oder neu aufgebaut wird, entscheiden Befestigung und Unterkonstruktion, und die Kosten einer Erneuerung bestimmen vor allem Länge, Bauart, Zugang und der Zustand der Unterkonstruktion.
Was ist der Ortgang an einem Dach?
Der Ortgang ist der seitliche Abschluss eines geneigten Dachs am Giebel. Er verläuft schräg vom First zur Traufe und schließt die Deckung zur Giebelwand hin ab, damit Wind und Schlagregen nicht unter die Ziegel gelangen. Ein Satteldach hat an jedem Giebel zwei Ortgänge, je einen pro Dachfläche; ein Walmdach hat keinen, weil es an allen Seiten mit einer Traufe endet.
Worin unterscheiden sich Ortgang, Traufe und First?
Ortgang, Traufe und First sind die drei Ränder eines Satteldachs. Die Traufe ist die untere, waagerechte Kante mit der Dachrinne, der First die obere Kante, an der zwei Dachflächen zusammentreffen. Der Ortgang verbindet beide am Giebel und steigt mit der Dachneigung an. Weil die Fläche dort seitlich endet, braucht der Ortgang einen eigenen Abschluss.
Woran erkennt man, dass ein Ortgang erneuert werden muss?
Einen erneuerungsbedürftigen Ortgang erkennt man an losen, verschobenen oder fehlenden Randziegeln, an bröckelndem Mörtel, an rostenden oder verbogenen Blechen und an einem Ortgangbrett, dessen Holz weich wird. Feuchte Sparrenenden unter dem Giebelrand deuten auf eindringendes Wasser. Ob die Befestigung der Randreihe noch greift, zeigt erst die Prüfung aus der Nähe.
Wie werden Ortgangziegel befestigt?
Ortgangziegel werden nach den Verlegeanleitungen der Hersteller einzeln an der Lattung befestigt, etwa mit einer Schraube je Ziegel. Die Hersteller verweisen dafür auf das Regelwerk des Dachdeckerhandwerks. Ein Mörtelbett ersetzt diese Befestigung nicht; bei einer Erneuerung gehört die Befestigung jedes Randziegels deshalb ausdrücklich in den Auftrag.
Ist ein Ortgangblech notwendig?
Ein Ortgangblech ist nicht an jedem Dach notwendig. Wo Ortgangziegel mit ihrem heruntergezogenen Lappen die Stirnseite abdecken, übernehmen sie den seitlichen Abschluss selbst. Das Blech ist die Alternative, wenn kein passender Formziegel verwendet wird oder wenn ein Ortgangbrett vor Witterung geschützt werden soll.
Kann ein Ortgangblech nachträglich montiert werden?
Ein Ortgangblech lässt sich nachträglich montieren, etwa über einem Ortgangbrett, dessen Anstrich sonst in kurzen Abständen erneuert werden müsste. Voraussetzung ist, dass Brett und Lattungsenden darunter tragen: Ein Blech über morschem Holz verdeckt den Schaden, statt ihn zu beheben. Ausgeführt wird die Verblechung nach der Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk.
Braucht man für die Erneuerung eines Ortgangs ein Gerüst?
Die Erneuerung eines Ortgangs ist Arbeit an der Absturzkante. Auf Baustellen verlangt die ASR A2.1 an Arbeitsplätzen mit mehr als 2,00 Metern Absturzhöhe eine Absturzsicherung (Punkt 8.2), und Absturzsicherungen und Auffangeinrichtungen gehen persönlicher Schutzausrüstung vor (Punkt 4.2) – am Giebel etwa ein Gerüst. An einem mehrgeschossigen Haus ist der Zugang deshalb eine eigene Angebotsposition.
Wovon hängen die Kosten ab, einen Ortgang zu erneuern?
Die Kosten einer Ortgang-Erneuerung hängen von der Länge der Ortgänge, von Bauart und Werkstoff, vom Zugang mit Gerüst oder Hubarbeitsbühne und vom Zustand der Unterkonstruktion ab. Hinzu kommen der Anschluss an First und Traufe sowie Rückbau und Entsorgung. Ob Lattungsenden und Brett tragen, zeigt sich vollständig erst nach dem Abnehmen der Randreihe.
Muss beim Erneuern des Ortgangs auch der First angefasst werden?
Beim Erneuern des Ortgangs ist der First an seinem Ende mitbetroffen, weil dort der letzte Firstziegel über dem obersten Randziegel abschließt. Wird die Randreihe neu aufgebaut, ist dieser Anschluss wiederherzustellen. Firstziegel werden nach den Verlegeanleitungen ebenfalls einzeln an der Unterkonstruktion befestigt; der übrige First bleibt unberührt, solange er fest sitzt.
Was ändert eine Fassadendämmung am Ortgang?
Eine Fassadendämmung macht die Giebelwand dicker und verkürzt damit den seitlichen Überstand des Dachs. Reicht der Ortgang danach nicht mehr über die gedämmte Wand, wird er verlängert; größere Überstände verlangen nach Herstellerangaben zusätzliche konstruktive Maßnahmen. Wer die Fassade dämmen lässt, plant den Ortgang deshalb im selben Zug und rüstet den Giebel nur einmal ein.
Regelwerke & Quellen: § 836 BGB · § 44 BNatSchG · GDV, Allgemeine Wohngebäude Versicherungsbedingungen (VGB 2022 – Wohnflächenmodell, Stand Juni 2026), A 5.1.1 und A 20.1.1 · Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.1 (Ausgabe November 2012, zuletzt geändert 2022), Punkte 4.2 und 8.2 · BBSR, Nutzungsdauern von Bauteilen für Lebenszyklusanalysen nach BNB (Datei vom 13.03.2026), Kostengruppe 363 · Montageanleitung Ortgangziegel (Dammers), Verlegeanleitung Rheinlandziegel R15 (Nelskamp), Windsogsicherung für Dachziegel (Erlus, Stand April 2014) · ZVDH, Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen; Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk.