Ratgeber · Für Eigentümer und Verwalter geneigter Dächer
Steildach-Wartung im Bestand: welche Bauteile altern und was ein Fachbetrieb daran ansieht
Am Steildach altert die Deckung am langsamsten: Ziegel, Betonstein, Faserzement und Schiefer stehen in der BBSR-Nutzungsdauertabelle bei mindestens fünfzig Jahren. Deutlich kürzer sind die Planwerte der Schichten darunter und daneben – die Unterdeckung bei fünfunddreißig Jahren, eine Kunststoffrinne bei fünfundzwanzig. Genau dort beginnt am geneigten Dach die Alterung, die von der Straße aus niemand sieht – und genau dort setzt an, was sich ein Fachbetrieb bei der Wartung ansieht.
Zuletzt geprüft: 29. August 2026 · Verfasst und aus der Praxis geprüft von Thorge Harms, Geschäftsführer Dachwartung Profi
Die Bauteile des geneigten Dachs – und woran jedes von ihnen altert
Ein geneigtes Dach besteht aus neun Bauteilgruppen, die unterschiedlich schnell altern: Deckung, Verfalzung, Unterdeckung, First und Grat, Kehlen, Windsogsicherung, Anschlüsse, Entwässerung und der Dachraum darunter. Nur die erste davon ist von unten sichtbar, und sie ist zugleich die langlebigste des ganzen Aufbaus.
| Bauteil | Typische Alterung | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Deckung (Ziegel, Betonstein, Schiefer, Faserzement) | Frostabsprengungen und Haarrisse an Einzelstücken, Ausblühungen, Moos- und Flechtenbewuchs in Falzen und Überdeckungen, gebrochene oder verrutschte Stücke. | Einzelne Stücke lassen sich tauschen. Die Fläche selbst wird selten wegen ihres Alters erneuert – der Befund betrifft fast immer Einzelstellen. |
| Verfalzung und Deckbild | Verschiebungen durch Wind, durch Begehen und durch Bewegungen des Dachstuhls; aufgeweitete Fugen, ungleichmäßige Überdeckung nach Teilarbeiten. | Wasser läuft nicht mehr über die Deckung ab, sondern in die Ebene darunter. Die Unterdeckung übernimmt dann dauerhaft eine Aufgabe, für die sie als zweite Ebene gedacht ist. |
| Unterdeckung oder Unterspannbahn | Versprödung, Einrisse an Nagellöchern und Auflagern, gelöste Verklebungen an Überlappungen und Anschlüssen. | Ohne intakte zweite Ebene wird jeder Schlagregen und jede Schneeverwehung zum Feuchteeintrag. Sichtbar wird das im Dachraum, nicht auf der Fläche. |
| First und Grat | Gelockerte oder verlorene Firstklammern, ausgewaschenes Mörtelbett bei älteren Mörtelfirsten, zugesetzte Lüftungsbahnen unter der Firstkappe. | First und Grat sind die höchstbelasteten Windkanten des Dachs. Eine verlorene Kappe legt die Deckung darunter frei und gibt dem Sog eine Angriffsfläche. |
| Kehlen | Ablagerungen aus Laub und Moos, Korrosion an Kehlblechen, zu geringe Überdeckung nach früheren Umdeckungen. | Eine Kehle führt die Wassermenge zweier Dachflächen. Jede Stauung dort drückt Wasser seitlich unter die Deckung. |
| Windsogsicherung (Klammern, Schrauben, Sturmhaken) | Gelockerte oder korrodierte Sicherungen, nach Teilarbeiten nicht wiederhergestellte Verklammerung. | Fehlt die Sicherung im Rand- oder Eckbereich, löst sich die Deckung zuerst dort – nicht in der Flächenmitte, wo die meisten hinsehen. |
| Anschlüsse an Schornstein, Gauben und Wandflächen | Ermüdete Verwahrungen und Anschlussbleche, gelöste Klemmschienen, ausgewaschene Fugen im Mauerwerksanschluss. | Der Bezirksschornsteinfeger befundet den Dachanschluss im Rahmen seiner Kehr- und Überprüfungstermine; beheben lässt ihn der Dachfachbetrieb. |
| Entwässerung (Rinne, Fallrohr, Einlaufblech) | Laub, Moos und Sediment in der Rinne, Korrosion an Nähten und Stößen, gelöste Löt- oder Klebeverbindungen, verformte Rinnenhalter. | Der Werkstoff bestimmt die Nutzungsdauer stärker als die Belastung – Kunststoff und verzinkter Stahl erreichen die Standzeit der Deckung nicht. |
| Dachraum und Durchlüftung | Zugesetzte Lüftungswege an Traufe und First, verschobene oder feuchtebelastete Dämmung, Nist- und Fraßspuren. | Der Dachraum ist die einzige Stelle, an der sich die Unterdeckung ohne Aufdecken der Fläche beurteilen lässt. |
Die Aufstellung erklärt eine Beobachtung, die viele Eigentümer irritiert: Ein Steildach kann von außen tadellos aussehen und trotzdem seit Jahren Wasser führen. Die Deckung, die man sieht, ist das Bauteil mit der längsten Standzeit. Was darunter arbeitet, wird nur im Dachraum und aus der Nähe beurteilt.
Zwei Punkte der Tabelle haben eine eigene Zuständigkeit. Der Anschluss an den Schornstein fällt dem Bezirksschornsteinfeger bei seinen Kehr- und Überprüfungsterminen auf, hergestellt und wieder dicht gemacht wird er vom Dachfachbetrieb – was ein Mängelvermerk dort tatsächlich trägt und welche Befunde typisch sind, steht in Schornstein-Dachanschluss undicht: was der Schornsteinfeger bemängelt und wer ihn instand setzt. Und Trittstufen, Laufroste und Dachausstiege dienen dem Zugang zu Schornstein und Aufbauten; ihr Zustand gehört zum Befund, ihre Prüfmechanik als Anschlageinrichtung steht in Absturzsicherung am Dach: Prüfpflicht, Frist, Nachweis.
Was für Ihr Objekt gilt, klärt der Dach-Check.
Kostenloser Dach-Check- Geprüfte Fachbetriebe
- Protokoll je Objekt
- Ein Ansprechpartner
- Bundesweit
Nutzungsdauern am Steildach: warum die Deckung länger hält als alles darunter
Die Nutzungsdauern der Bauteile eines Steildachs laufen weit auseinander. Die BBSR-Nutzungsdauertabelle nennt für Deckungen aus Schiefer, Ziegel, Beton und Faserzement mindestens fünfzig Jahre und keinen Austausch, für eine diffusionsoffene Unterdeckbahn fünfunddreißig Jahre und für eine Kunststoffrinne fünfundzwanzig – bei demselben Bilanzierungszeitraum.
| Bauteil und Werkstoff | Planwert Nutzungsdauer | In 50 Jahren |
|---|---|---|
| Deckung: Schiefer, Ziegel, Beton, Faserzement | mindestens 50 Jahre | kein Austausch |
| Deckung: Zink, Kupfer, Aluminium unbeschichtet, nicht rostender Stahl | mindestens 50 Jahre | kein Austausch |
| Aufdachdämmung am geneigten Dach | mindestens 50 Jahre | kein Austausch |
| Deckung: Stahl galvanisch verzinkt und beschichtet | 45 Jahre | ein Austausch |
| Unterdach: imprägnierte Faserplatten | 40 Jahre | ein Austausch |
| Unterdach oder Unterdeckung: diffusionsoffene Kunststofffolie | 35 Jahre | ein Austausch |
| Entwässerung: Zink, Kupfer, nicht rostender Stahl | mindestens 50 Jahre | kein Austausch |
| Entwässerung: Stahl galvanisch verzinkt | 35 Jahre | ein Austausch |
| Entwässerung: Kunststoff | 25 Jahre | ein Austausch |
| Deckung: Bitumenschindeln, Bitumen-Wellplatten | 25 Jahre | ein Austausch |
Zwei Dinge sind an dieser Aufstellung wichtig. Erstens sind es Planwerte für die Bilanzierung, keine Haltbarkeitszusagen für ein einzelnes Objekt; sie unterstellen eine ordnungsgemäße Ausführung und einen bestimmungsgemäßen Betrieb. Zweitens rangiert die Tabelle die Deckungsmaterialien nicht: Schiefer, Ziegel, Beton, Faserzement und Metall stehen gleichauf. Die Werkstofffrage am Steildach ist damit keine Rangfrage, sondern eine Frage der Eignung für Neigung, Lage und Untergrund und eine Frage des Einbaus.
Praktisch folgt daraus die Reihenfolge, in der ein Bestandsdach altert. Zuerst kommen die kurzlebigen Bauteile an ihr Ende – Rinne, Unterdeckung, Sicherungen –, und erst sehr viel später die Deckung selbst. Wer den Zustand eines Steildachs am Alter der Ziegel misst, misst das falsche Bauteil.
Die Unterdeckung am Steildach: die zweite wasserführende Ebene
Die Unterdeckung eines Steildachs leitet das Wasser ab, das durch Fugen, Verwehungen oder Schlagregen hinter die Deckung gelangt. Sie ist damit die zweite wasserführende Ebene des geneigten Dachs. In der BBSR-Tabelle steht sie als diffusionsoffene Kunststofffolie bei fünfunddreißig Jahren, also deutlich unter der Standzeit der Deckung darüber.
Der Aufbau darüber verdeckt sie vollständig. Von der Fläche aus ist sie nur zu sehen, wo Ziegel abgehoben werden; von der Straße aus gar nicht. Beurteilen lässt sie sich deshalb an zwei Stellen: an den Rändern, die im Dachraum an Traufe, Ortgang und Anschlüssen sichtbar bleiben, und an ihren Folgen – Feuchtespuren an Sparren, Schalung oder Dämmung.
Für ältere Bestände kommt ein zweiter Fall hinzu: Es gibt Dächer ohne jede Unterdeckung. Dann ist die Deckung die einzige wasserführende Ebene, und jede aufgeweitete Fuge, jeder verrutschte Ziegel und jede Verwehung führt unmittelbar in die Konstruktion. Ob eine Unterdeckung vorhanden ist, gehört deshalb zu den ersten Angaben, die ein Befund am Bestandsdach klärt.
Der Dachraum gehört zum Steildach-Befund
Am Flachdach spielt sich fast alles auf der Fläche ab. Am geneigten Dach liegt die aussagekräftigste Beobachtungsstelle darunter: Der Dachraum zeigt die Ränder der Unterdeckung, die Auflager, die Durchdringungen von innen und jede Feuchtespur an Holz und Dämmung – und zwar ohne dass die Deckung geöffnet werden muss.
Windsog am Steildach: warum dieselbe Deckung nicht überall dieselbe Sicherung braucht
Die Windsogsicherung eines Steildachs richtet sich nach vier Größen: der Windzone des Standorts, der Gebäudehöhe, der Dachneigung und der Lage der jeweiligen Fläche im Dach. Rand- und Eckbereiche tragen höhere Sogkräfte als die Flächenmitte. Dieselbe Deckung braucht deshalb an der Traufe eine andere Sicherung als in der Mitte.
Die Windzone ist die einzige dieser vier Größen, die ein Eigentümer selbst nachschlagen kann. Deutschland ist in vier Windzonen eingeteilt; welche für ein Grundstück gilt, steht in der Zuordnung der Windzonen nach Verwaltungsgrenzen des Deutschen Instituts für Bautechnik.
Wichtig ist dabei, wie fein diese Zuordnung ist: Sie reicht bis auf Gemeindeebene, und ein Landkreis kann zwei Windzonen enthalten. Der Landkreis Stade etwa steht dort in Windzone 3, das Gebiet Kehdingen mit den Gemeinden Freiburg, Balje, Krummendeich und Oederquart dagegen in Windzone 4. Für ein Portfolio mit Objekten in derselben Region heißt das: Die Annahme, benachbarte Häuser lägen in derselben Zone, trägt nicht.
Wie viele Stücke einer Deckung daraufhin zu sichern sind und mit welchem Mittel, ermittelt die Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen aus dem Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Für die Wartung im Bestand zählt vor allem der Fall danach: Nach jeder Teilarbeit an der Deckung muss die Sicherung an der Eingriffsstelle wiederhergestellt sein. Ausgebaute und nicht wieder eingesetzte Klammern sind ein wiederkehrender Befund nach Solarmontagen, nach dem Setzen von Schneefangsystemen und nach punktuellen Ziegeltauschen.
Rinne und Fallrohr am Steildach: der Werkstoff entscheidet über die Standzeit
Die Entwässerung ist am Steildach das Bauteil mit der größten Spannweite der Nutzungsdauer. Die BBSR-Tabelle nennt für Rinnen, Fallrohre und Abläufe aus Kunststoff fünfundzwanzig Jahre, für galvanisch verzinkten Stahl fünfunddreißig, für verzinkten und beschichteten Stahl vierzig und für Zink, Kupfer und nicht rostenden Stahl mindestens fünfzig.
Zwischen fünfundzwanzig und mindestens fünfzig Jahren liegt der Faktor zwei – und damit an einem Dach, das fünfzig Jahre trägt, der Unterschied zwischen einer Erneuerung und keiner. Das ist der wirtschaftlich greifbarste Punkt am geneigten Dach, und er ist beim Bestandsobjekt in wenigen Minuten festzustellen: Der Werkstoff der Rinne ist von unten erkennbar.
Die Belastung selbst ist am Steildach hoch, weil die Außenrinne die gesamte Fläche aufnimmt und zugleich alles mitführt, was von ihr abgespült wird – Laub, Moos, Splitt aus der Deckung. Was die Reinigung leistet und in welchem Umfang sie beauftragt wird, steht auf Dachrinnenreinigung. Und wo Bewuchs auf der Fläche zum Anlass für ein Reinigungs- oder Beschichtungsangebot wird, hilft die Einordnung in Dachbeschichtung und Dachreinigung: was die Angebote leisten.
Ein Steildach im Bestand einordnen: sechs Angaben vor dem ersten Termin
Sechs Angaben ordnen ein Steildach im Bestand ein: Deckungsart, Jahr der letzten Umdeckung, Vorhandensein einer Unterdeckung, Werkstoff der Entwässerung, Windzone samt Höhe und Neigung sowie die nachträglich montierten Aufbauten. Aus ihnen ergibt sich, welche Bauteile am jeweiligen Objekt überhaupt in der Nähe ihrer Nutzungsdauer stehen.
- Die Deckungsart: Ziegel, Betondachstein, Schiefer, Faserzement, Metall oder Bitumenschindel. Sie entscheidet über den Planwert der Nutzungsdauer und darüber, wie die Fläche überhaupt betreten werden darf.
- Das Jahr der letzten Umdeckung, getrennt vom Baujahr des Hauses. Eine Deckung von 1998 auf einem Haus von 1962 verhält sich wie ein Dach von 1998 – die Unterdeckung darunter allerdings auch.
- Ob eine Unterdeckung oder Unterspannbahn vorhanden ist. In älteren Beständen fehlt sie ganz; dann ist die Deckung die einzige wasserführende Ebene des Dachs.
- Der Werkstoff von Rinne und Fallrohr: Kunststoff, verzinkter Stahl, Zink, Kupfer oder nicht rostender Stahl. Zwischen fünfundzwanzig und mindestens fünfzig Jahren liegt hier der größte Unterschied des ganzen Dachs.
- Die Windzone nach der DIBt-Zuordnung, dazu Gebäudehöhe und Dachneigung. Erst diese drei zusammen sagen, welche Sicherung die Deckung in Rand- und Eckbereichen braucht.
- Welche Aufbauten nachträglich montiert wurden – Solarhaken, Schneefang, Antenne, Dachflächenfenster, Trittstufen – und in welchem Jahr. Jeder davon ist eine Durchdringung und ein Eingriff in die Sicherung.
Diese sechs Angaben sind keine Zustandsbewertung – sie sind der Rahmen, in dem eine Zustandsbewertung überhaupt aussagekräftig wird. Ein Feuchtefleck am Sparren bedeutet an einem Dach ohne Unterdeckung etwas anderes als an einem Dach mit einer Bahn aus dem Jahr 1996.
Die Ausgangslage eines Steildachs entsteht nicht rückwirkend. Was für Ihr Objekt an Deckung, Unterdeckung und Entwässerung dokumentiert ist, klärt der Dach-Check – kostenlos und unverbindlich angefordert.
Kostenlosen Dach-Check anfordernWas am Steildach die Wartungspflicht auslöst – und wo Takt und Prüfpunkte stehen
Am Steildach löst dieselbe Verkehrssicherungspflicht die Wartung aus wie am Flachdach, mit einem zusätzlichen Anknüpfungspunkt: § 836 Abs. 1 Satz 1 BGB nennt neben dem Einsturz eines Gebäudes ausdrücklich die Ablösung von Teilen des Gebäudes, wenn sie die Folge fehlerhafter Errichtung oder mangelhafter Unterhaltung ist.
Für ein geneigtes Dach ist das der Regelfall der Norm: Ziegel, Schnee und Eis, Firstkappen und Rinnenteile lösen sich, und sie fallen dorthin, wo Menschen gehen. Die Ersatzpflicht entfällt nach Satz 2, wenn der Besitzer zur Abwendung der Gefahr die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet hat – der Entlastungsbeweis, den ein dokumentierter Befund trägt. Wie er im Einzelnen geführt wird, steht in Wartungspflicht Dach: Verkehrssicherungspflicht, Rechtsprechung und Haftung.
Zwei Nachbarfragen haben ihre eigene Seite. In welchem Takt ein Dach begangen wird, welches Ereignis einen zusätzlichen Termin setzt und welche Objektmerkmale den Takt verdichten, behandelt Wartungsintervalle: Wie oft muss gewartet werden?. Was bei einer Begehung Punkt für Punkt angesehen wird, steht in Flachdach-Inspektion: die Checkliste für Ihre Begehung. Und die Begriffe – Wartung, Inspektion, Instandsetzung, Verbesserung – trennt Was ist Dachwartung?.
Fazit zur Steildach-Wartung im Bestand: drei Fragen zum eigenen Dach
Ob ein Steildach im Bestand planbar bleibt, entscheidet sich an drei Fragen: Aus welchem Jahr stammt die Unterdeckung, aus welchem Werkstoff bestehen Rinne und Fallrohr, und wurde nach der letzten Montage auf dem Dach die Windsogsicherung wiederhergestellt? Alle drei sind feststellbar, und keine davon beantwortet der Blick auf die Ziegel.
Die Deckung ist jünger als vierzig Jahre
Dann steht die Deckung selbst nicht zur Debatte. Zu klären sind Unterdeckung und Entwässerung – die beiden Bauteile, die vor ihr an ihr Nutzungsdauerende kommen.
Das Dach hat keine Unterdeckung
Dann ist die Deckung die einzige wasserführende Ebene. Verfalzung, Sicherung und Anschlüsse tragen die volle Last – und jeder verrutschte Ziegel wird unmittelbar wirksam.
Auf dem Dach wurde nachträglich montiert
Dann sind Durchdringungen und Sicherung an der Eingriffsstelle die erste Frage – unabhängig davon, wie alt die übrige Fläche ist.
Geneigte Dächer gehören ins selbe Wartungsregime wie flache. Wie die laufende Betreuung eines Bestandsdachs organisiert wird, steht auf Dachwartung.
Kostenlosen Dach-Check anfordernHäufige Fragen zur Steildach-Wartung im Bestand
Zum geneigten Dach im Bestand wiederholen sich neun Fragen. Die wichtigste vorweg: Der Zustand eines Steildachs hängt weniger an der Deckung als an der Unterdeckung, der Entwässerung und der Windsogsicherung – drei Bauteilen mit kürzeren Nutzungsdauern und geringerer Sichtbarkeit. Wer den Zustand eines Bestandsdachs erhebt, fängt deshalb bei diesen dreien an und nicht bei den Ziegeln.
Welche Bauteile eines Steildachs altern schneller als die Deckung?
Schneller als die Deckung altern am Steildach die Unterdeckung, die Entwässerung und die Windsogsicherung. Die BBSR-Nutzungsdauertabelle führt Ziegel-, Beton-, Faserzement- und Schieferdeckungen bei mindestens fünfzig Jahren ohne Austausch, eine diffusionsoffene Unterdeckbahn dagegen bei fünfunddreißig Jahren mit einem Austausch innerhalb desselben Zeitraums.
Wie lange hält eine Ziegel- oder Betondachsteindeckung nach den Nutzungsdauer-Planwerten?
Für Deckungen aus Ziegel sowie aus Beton und Faserzement nennt die BBSR-Nutzungsdauertabelle mindestens fünfzig Jahre und keinen Austausch innerhalb eines Bilanzierungszeitraums von fünfzig Jahren. Schiefer und Metalldeckungen aus Zink, Kupfer, Aluminium oder nicht rostendem Stahl stehen gleichauf. Bitumenschindeln und Bitumen-Wellplatten führt dieselbe Tabelle bei fünfundzwanzig Jahren.
Was ist die Unterdeckung eines Steildachs?
Die Unterdeckung eines Steildachs ist die Schicht unter der Deckung, die Wasser ableitet, das durch Fugen, Verwehungen oder Schlagregen hinter die Ziegel gelangt. Sie ist damit die zweite wasserführende Ebene des geneigten Dachs. Als Bahn aus diffusionsoffener Kunststofffolie steht sie in der BBSR-Tabelle bei fünfunddreißig Jahren.
Woran zeigt sich, dass die Unterdeckung eines Steildachs altert?
Eine alternde Unterdeckung zeigt sich im Dachraum, nicht auf der Fläche: versprödete, brüchige Bahnenränder, Einrisse an Nagellöchern und Auflagern, gelöste Verklebungen an Überlappungen und Anschlüssen sowie Feuchtespuren an Sparren, Schalung oder Dämmung. Von außen bleibt die Deckung darüber unauffällig, solange die Ziegel selbst in Ordnung sind.
Müssen Dachziegel und Dachsteine verklammert werden?
Ob und in welchem Umfang Dachziegel und Dachsteine gesichert werden müssen, hängt von der Windzone, der Gebäudehöhe, der Dachneigung und der Lage der Fläche im Dach ab – Rand- und Eckbereiche tragen höhere Sogkräfte als die Flächenmitte. Das Verfahren dafür führt die Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen.
Woher weiß ich, in welcher Windzone mein Gebäude liegt?
Die maßgebliche Windzone eines Gebäudes steht in der Zuordnung der Windzonen nach Verwaltungsgrenzen, die das Deutsche Institut für Bautechnik veröffentlicht. Deutschland ist darin in vier Windzonen eingeteilt, und die Zuordnung reicht bis auf Gemeindeebene: Innerhalb desselben Landkreises können zwei Windzonen nebeneinanderliegen.
Wie lange hält eine Dachrinne am Steildach?
Die Nutzungsdauer einer Dachrinne folgt dem Werkstoff. Die BBSR-Nutzungsdauertabelle nennt für Dachrinnen, Fallrohre und Abläufe aus Kunststoff fünfundzwanzig Jahre, für galvanisch verzinkten Stahl fünfunddreißig, für verzinkten und beschichteten Stahl vierzig und für Zink, Kupfer, Aluminium und nicht rostenden Stahl mindestens fünfzig Jahre.
Was folgt daraus, wenn am Steildach ein Ziegel verrutscht ist?
Ein verrutschter Ziegel legt die Unterdeckung frei und verändert zugleich die Sogverteilung der Fläche, weil die Verfalzung an dieser Stelle unterbrochen ist. Dazu kommt die Haftungsseite: § 836 Abs. 1 Satz 1 BGB nennt die Ablösung von Teilen des Gebäudes ausdrücklich. Ein einzelner Ziegel ist deshalb ein Befund, kein Schönheitsfehler.
Was ändert eine nachträgliche Montage auf dem Steildach an dessen Zustand?
Jede nachträgliche Montage auf dem Steildach – Solarhaken, Schneefang, Antenne, Dachflächenfenster – erzeugt Durchdringungen der Deckung und greift in die Windsogsicherung der betroffenen Ziegel ein. Nach solchen Arbeiten ist entscheidend, ob Verfalzung, Sicherung und Unterdeckung an der Eingriffsstelle wiederhergestellt wurden.
Rechtsgrundlagen & Quellen: BBSR-Nutzungsdauertabelle (Nutzungsdauern von Bauteilen für Lebenszyklusanalysen, Blatt KG 300, Datei-Stand 13.03.2026; Deckungen 363.211.25 bis 363.224.25, Unterdach und Unterdeckung 363.311.25 bis 363.315.25, Entwässerung 363.511.25 bis 363.514.25, Aufdachdämmung 363.226.25) · Zuordnung der Windzonen nach Verwaltungsgrenzen (DIBt) · § 836 BGB (Haftung des Grundstücksbesitzers; Absatz 1 Satz 1 Ablösung von Gebäudeteilen, Satz 2 Entlastungsbeweis) · § 823 BGB (Schadensersatzpflicht) · Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen, Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks (Verfahren zur Windsogsicherung). Die Nutzungsdauern sind Planwerte für die Bilanzierung über fünfzig Jahre und setzen ordnungsgemäße Ausführung und bestimmungsgemäßen Betrieb voraus; maßgeblich für ein einzelnes Objekt ist der festgestellte Zustand.